Eine Neuerscheinung

"Kritik ist berechtigt und erforderlich."

Im "Forum Musikpädagogik" ist der Titel "Knabenchor –
Last, Glück, Lebenschance? Eine Untersuchung am Bei-
spiel des Windsbacher Knabenchors" von Max Liedtke
und Horant Schulz erschienen.
Aus der Verlagsinformation:
"… Bis in die 1970er-Jahre gab es, wie in der gesamten
christlich-europäischen Tradition, auch körperliche Züch
tigungen, die aus heutiger Sicht als Misshandlungen an-
zusehen sind. Kritik ist berechtigt und erforderlich. …"
Und:
"… Aber aus allen Phasen der Chorgeschichte berichtet die
weit überwiegende Mehrheit der Choristen nach Abwägen
der Vor- und Nachteile von ungeheuren Gewinnen, die sie
aus den Chorerfahrungen geschöpft haben - Gewinne, die
auf anderen Wegen kaum zu erlangen gewesen wären. …"

Man kann das offenbar nebeneinander stehen lassen, ohne
die Opfer zu disqualifizieren – wie es leider einige in Wiki-
pedia weiterhin tun: Sachliche Informationen werden wie-
der und wieder herausgenommen und die Misshandlungen
als "angebliche Misshandlungen" bezeichnet. Wie schäbig!

Der Erscheinungstermin ist Ende Februar/Anfang März.
Es hat Anfang Januar
eine kleine Startauflage (15 Expl-)
gegeben. Die Exemplare gingen an einige "Frühbesteller".
Das führte zu Irritationen.

mehr …


Aus einer Rezension in den
"Nürnberger Nachrichten"
vom 29.2.12
"… leidenschaftslos stehen die beiden dem Phänomen
Knabenchor nicht gegenüber. Liedtke war 1991 einer der
Gründer der Stiftung Windsbacher Knabenchor, die sich
vor allem um eine finanzielle Unterstützung … kümmert.
Und Schulz sang einst als Sopransolist bei den Regens-
burger Domspatzen.
Am Bemühen der Autoren um wissenschaftlich korrektes
Vorgehen ändert das freilich nichts. …"

Mehrere Fragebogenaktionen

Dabei bestätigen sich die … Vorwürfe, dass in der Ära
Hans Thamm körperliche Misshandlungen … durchaus an
der Tagesordnung waren. Liedtke halt die heutige Kritik
daran zwar für „berechtigt und erforderlich“, verweist
aber darauf, dass bis in die 70er Jahre hinein körperliche
Züchtigungen „in der gesamten christlichen Tradition nicht
nur erlaubte, sondern auch empfohlene Erziehungsmittel
waren“. …"

"… 67 Prozent bewerteten ihre Zeit im Internat als „über-
wiegend positiv“, 22,7 Prozent als „überwiegend negativ“.
Während sich Kritik vor allem in den frühen Jahren auf
„Angst vor Willkür“, „Grausamkeit der Erzieher“ und
„Rangordnungskämpfe“ unter den Schülern bezieht,
werden positiv vor allem die Gemeinschaftserlebnisse,
die Auslandsreisen und die für die spätere Persönlich-
keitsentwicklung wichtige Chorarbeit auf hohem musika-
lischen Niveau angemerkt. Insgesamt glauben 87 Prozent
… dass sich die Erfahrungen … positiv auf ihre … Lebens-
gestaltung ausgewirkt hat. …"

1997 bis 2010 … gab … keine Klagen über Misshand-
lungen mehr. Auch nicht über rüde Methoden … Sehr
positiv bewerten die jüngeren Absolventen ihre Erfolgs-
erlebnisse im Chor oder die Übertragung des musikali-
schen Anspruchsniveaus auf Ausbildung und Beruf.

Nachteil der Studie: Sängerknaben, die in Windsbach
nicht zurechtkamen und vorzeitig ausschieden, wurden
… nicht berücksichtigt. Laut Thomas Miederer, dem Leiter
des Studienheims, brechen immerhin rund 50 Prozent …
ihre Ausbildung in Windsbach ab."


Nachtrag zur Rezension Einen weiteren Mangel gestehen die Autoren selbst ein (s.
Seiten 36 bis 41): Aus den 60er Jahren, in denen die Miss-
handlungen am stärksten waren, wie unsere Gewährsleute
berichten, standen den Autoren – aus Datenschutzgründen –
kaum Zeugen zur Verfügung!

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Letzte Änderung:
Donnerstag, 8. März 2012
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